Medizinisches Versorgungszentrum Labor Prof. Seelig GbR Karlsruhe

APOB-Gen

107730
  
Apolipoprotein B-100
  
ApoB-100
  
EDTA-Blut, 2,7 mL (Blutbildröhrchen)
  
Einwilligungserklärung Genetik
  
NAA, SEQU
  
Humangenetik - Zytogenetik
 Arteriosklerose - Risikoabschätzung mit Labortests
  
Molekulare Humangenetik
  
  
APOB-Gen
  
Abschätzung des Risikos für die Entwicklung koronarer Herzerkrankungen.
  
Das auf Chromosom 2p24.1 gelegene Gen umfasst einen Bereich von 43.4 kb mit 29 Exonen. Das Genprodukt liegt im Plasma in zwei Isoformen, dem ApoB-48 (Mr 240.7 kDa; 2152 aa) und ApoB-100 (Mr 515.6 kDa; 4536 aa) vor. Die N-terminalen 2152 aa der beiden Proteine sind identisch. Für die Synthese des kleineren ApoB-48 wird die prä-mRNA des APOB-Gens durch eine Cytidin-Deaminase organspezifisch editiert (organspezifische RNA-Editierung). Hierbei wird das Glutamin-Kodon in Position 2153 in ein Stop-Kodon verwandelt, sodass in den Ribosomen der Enterozyten das kürzere ApoB-48-Molekül translatiert wird. ApoB-48 enthält im Gegensatz zu ApoB-100 keine LDL-Rezeptor-Bindungsdomäne. Es ist am Aufbau der Chylomikronen beteiligt. ApoB-100 ist Bestandteil der VLDL-, LDL- und IDL-Lipoprotein-Komplexe. Jeder dieser Lipoprotein-Komplexe enthält ein einzelnes ApoB-100-Molekül, sodass bei einer heterozygoten Mutation bei der Hälfte aller zirkulierenden LDL-Partikel die Rezeptor-Affinitäten verändert werden.
  
 Bisher wurden 34 Mutationen im APOB-Gen nachgewiesen, die zur Synthese von Proteinen führen, die eine geringere Affinität gegenüber dem LDL-Rezeptor aufweisen als der Wildtyp. Sie verursachen die familiäre Hypo-_-Lipoproteinämie. Sie sind auch polygenetisch mit einer Hypocholesterolämie assoziiert. Die häufigste Mutation, Arg3500Gln (heterozygot) erniedrigt die Affinität gegenüber dem ApoB-Rezeptor um 36%, was den Katabolismus der LDL verlangsamt und eine Erhöhung der Cholesterol-Konzentration um 70-90 mg/dL über den Referenzbereich bewirkt (Heterozygoten-Frequenz 1:450). Die Affinität gegenüber dem Rezeptor ist bei der heterozygoten Mutation Arg3531Cys um 27% gegenüber dem Wildtyp vermindert, sodass auch die pathologische Erhöhung der Cholesterol-Werte geringer ausfällt.
  
  
Die familiäre Hypo-_-Lipoproteinämie wird autosomal dominant vererbt. Weitere Mutationen im ABOB-Gen können zusammen mit anderen Gendefekten (polygenetisch) eine Hypocholesterolämie verursachen.
  
  
Hyperlipidämien, familiäre Hypercholesterolämie.
  
  
 G. Schlüter, H.P. Seelig