Medizinisches Versorgungszentrum Labor Prof. Seelig GbR Karlsruhe

Dystrophin-Gen

300377
  
APO-dystrophin 1, DMD
  
EDTA-Blut, 2,7 mL (Blutbildröhrchen)
  
Einwilligungserklärung Genetik
  
MLPA, NA, Deletionsscreening
  
Humangenetik - Zytogenetik
  
Molekulare Humangenetik
  
Anforderungsschein Nr. 4a
Position der Analyse
Anforderungsschein 4a
        
        
        
  
  
Dystrophin-Gen
  
Muskeldystrophie.
  
Das Dystrophin-Gen ist das größte humane Gen. Es liegt auf Chromosom Xp21.2 und umfasst mehr als zwei Millionen Basenpaare (2.221.182 bp) mit 85 Exonen. Das Dystrophin-Gen zeigt einen komplexen Aufbau mit mindestens acht gewebespezifischen Promotoren. Durch differentielles Spleißen entstehen mindestens vier ebenfalls gewebespezifische Isoformen. Die größte Isoform ist Dystrophin-4 (Mr  426.7 kDa). Dystrophine gehören zu der Familie der stäbchenförmigen Proteine wie auch die Actin-bindenden Zytoskelett-Komponenten Spektrin und α-Actinin. Es ist mit der inneren Oberfläche der Muskelplasmamembran assoziiert, wo es wahrscheinlich spezielle Membranglykoproteine verankert. Es ist ein Teil des Dystrophin-Glykoproteinkomplexes, der das innere Zytoskelett (F-Actin) mit der extrazellulären Matrix verbindet.
  
 Bisher wurden 411 Mutationen beschrieben, von denen 347 Mutationen den Duchenne Typ, 48 Mutationen den Becker Typ und 16 einen intermediären bzw. atypischen Typ der Muskeldystrophie verursachen. DMD- und BMD-Patienten enthalten meist Dystrophin-Gene mit partiellen Deletionen. DMD-Patienten besitzen kein nachweisbares Dystrophin im Muskel. Bei BMD-Patienten ist die Größe des Dystrophin-Moleküls verändert, seine Funktion teilweise gestört.
  
  
Die muskulären Dystrophien vom Typ Duchenne (DMD) und Becker (BMD) werden X-chromosomal rezessiv vererbt.
  
  
DMD ist die häufigste Form der muskulären Dystrophien (Häufigkeit 1 von 3500 Jungen), die typischerweise im Jungenalter von 3 bis 7 Jahren mit proximaler Muskelschwäche beginnt und langsame Gangart, Krümmung der Hals- und Lendenwirbelsäule (Lordose), häufiges Fallen, Schwierigkeiten beim Aufstehen und Treppensteigen zur Folge hat. Stetiges Fortschreiten der Beschwerden macht die meisten Patienten im Alten von 10 bis 12 Jahren Rollstuhl-abhängig. BMD ist die mildere Form der muskulären Dystrophie.
  
  
 G. Schlüter, H.P. Seelig