Medizinisches Versorgungszentrum Labor Prof. Seelig GbR Karlsruhe

Herzmuskel-Autoantikörper

Serum, 1 mL
EDTA-Plasma oder Heparin-Plasma, 1 mL
  
1: < 20
  
IIFT
intern
  
Übersicht Autoantikörper
  
Anforderungsschein Nr. 1a
Position der Analyse
Anforderungsschein 1a
        
        
        
  
Autoantikörper bei Herzmuskel-Erkrankungen. Übersicht Autoantikörper
  
Immunpathologie
EBM, GOÄ
 Der Nachweis von Herzmuskel-Autoantikörpern im IIFT (insbesondere bei Verwendung von Nager-Organen) besitzt keine diagnostische und klinischen Relevanz. Indikationen zum Nachweis der molekülspezifischen Autoantikörper siehe unter den betreffenden Stichworten.
 Eine Vielzahl von Antikörpern, die mit verschiedenartigen Strukturen und Komponenten des Herzmuskels reagierten, wurden beschrieben. Zumeist wurde ihre Organspezifität nicht durch entsprechende Kontrollen (Absorption mit Skelettmuskel, glatter Muskulatur, anderen Geweben) dokumentiert. Da zum Nachweis solcher Antikörper sehr unterschiedliche Antigenpräparationen, in den seltensten Fällen humaner Herzmuskel, oft Nager-, seltener Primatenherzen, andererseits auch verschiedenartige Untersuchungsverfahren verwendet wurden, umfasst der Sammelbegriff Herzmuskel-Autoantikörper ein breites Spektrum unterschiedlicher Antikörper, bei dem es sich sowohl um heterophile (nicht human-spezifische) polyreaktive Antikörper, um bindegewebsspezifische und muskelspezifische Antikörper in den seltensten Fällen aber um echte herzmuskelspezifische Autoantikörper von pathologischer Signifikanz handelt.
 In zahlreichen Untersuchungen wurden Antikörper gegen Herzmuskel mit dem indirekten Immunfluoreszenztest an Kryostatschnitten von Nagerorganen, Primaten und selten humanen Herzen nachgewiesen. Die Antikörper zeigten ein diffuses zytoplasmatisches/sarkoplasmatisches, intermyofibrilläres, myolemmales/sarkolemmales, subsarkolemmales, quergebändertes, endokardiales Fluoreszenzmuster. Teilweise reagieren sie mit den Disci intercalati oder dem Reizleitungssystem. Bei der Verwendung von Nagerorganen beruht das oft beschriebene sarkolemmale Fluoreszenzmuster nicht selten auf der Reaktion unspezifischer heterophiler Antikörper. Ein großer Teil dieser Antikörper reagiert auch mit entsprechenden Antigenen des Skelettmuskels, mit glatter Muskulatur und Komponenten des Bindegewebes. In den meisten Studien wurde darauf verzichtet, selbst bei Verwendung von humanem Herzmuskel, durch entsprechende Absorptionen, die Herzmuskelspezifität der im IIFT nachgewiesenen Antikörper zu sichern. Zahlreiche dieser Antikörper zeigen auch Kreuzreaktionen mit Antigenen von Streptokokken der Gruppe A. Gegen Bestandteile der Streptokokkenmembranen gerichtete Antikörper immunisierter Kaninchen reagierten ebenfalls mit sarkolemmalen und subsarkolemmalen Antigenen im humanen Herzmuskel aber auch mit Skelettmuskel und glatter Muskulatur. Das herzmuskelspezifische Myosin scheint eines der mit Streptokokkenantikörpern (A-Streptokokken) kreuzreagierenden Hauptantigene darzustellen. Kreuzreaktionen von Streptokokken-Antikörpern mit Glykoproteinen aus Herzklappen, sarkolemmalem und myolemmalem Proteinen, Bindegewebsbestandteilen, extrazellulärer Matrix und Laminin wurden ebenfalls beschrieben.
 Häufig wurden ein sarkolemmales/subsarkolemmales Fluoreszenzmuster bei Patienten mit rheumatischem Fieber (Streptokokken, Gruppe A), Dressler Syndrom (Postmyokardiotomie Syndrom), auch bei Kardiomyopathien, virusbedingten Myositiden und Chagas-Myopathie beschrieben, selten aber auch durch entsprechende Abbildungen dokumentiert. Insbesondere bei Verwendung mit nicht humanen Antigenen ist die Relevanz solcher Antikörper fraglich, da auch mit Seren von Gesunden ähnliche Fluoreszenzmuster erhalten werden können. Auch Antikörper gegen ubiquitären Antigene wie Mitochondrien, Ribosomen, Titin, Actin, Signalerkennungspartikel, Desmoplakine etc. können mit den entsprechenden Antigenen im Herzmuskel reagieren und eines der oben beschriebenen Fluoreszenzmuster hervorrufen.
 Eine weitere Gruppe von Herzmuskel-Antikörpern wurde mit radio- und enzymimmunologischen Methoden und Westernblot-Techniken unter Verwendung von teils hochreinen Antigenen nachgewiesen. Es handelt sich um Antikörper gegen Herzmuskel-spezifisches Myosin, α- und β-Adrenorezeptoren, den Adeninnukleotid-Translokator, Verzweigketten-Oxosäuredehydrogenase, Laminin, Kreatin-Kinase, α-Myosin, β-Myosin, M2-mAcetylcholin-Rezeptoren, Stressproteine, Mitochondrien Typ M7 (Sarkosindehydrogenase). Die meisten der Antigene sind aber ebenfalls nicht Herzmuskel-spezifisch. Die Krankheitsassoziationen sind bei den entsprechenden Autoantikörpern beschrieben.
 Die Entstehung von Herzmuskel-reaktiven Autoantikörpern durch ein molekulares Mimikry wird seit mehreren Jahrzehnten, insbesondere bei dem rheumatischen Fieber, untersucht. Mehrere mit Streptokokken kreuzreagierende Herzmuskel-Antigene wurden identifiziert. Auch bei virusinduzierten Myokarditiden könnte die Freisetzung intrazellulärer Proteine aus den Kardiozyten eine T-Zell-stimulierte Autoantikörperbildung auslösen, die neben zellulären immunpathologischen Reaktionen einen chronischen Autoimmunprozess im Herzen unterhält.
 H.-P.Seelig