Medizinisches Versorgungszentrum Labor Prof. Seelig GbR Karlsruhe

Lamin-Autoantikörper

Serum, 1 mL
 EDTA-Plasma oder Heparin-Plasma, 1 mL
  
negativ (1: < 100)
  
WB
intern
  
Übersicht Autoantikörper
  
Anforderungsschein Nr. 1a
Position der Analyse
Anforderungsschein 1a
        
        
        
  
Immunpathologie
EBM, GOÄ
  
Bestimmung der Antikörperspezifität bei positivem ANA-Screening mit membranösem (ringförmigem) Fluoreszenzmuster, Abgrenzung gegenüber den ebenfalls mit membranösem Muster einhergehenden und für die primär biliäre Zirrhose charakteristischen Autoantikörpern gegen das Nuclear Pore Complex Glykoprotein gp 210 und dem Lamin-B-Rezeptor. Untersuchung nur bei positivem ANA-Screening indiziert. Die diagnostische Relevanz der Autoantikörper ist gering.
  
Die Autoantikörper richten sich gegen die in der Kernfaserschicht (faserige Lamina) gelegenen Lamine (Lamin A/C, B1, B2, siehe Infobox Lamine, Lamin B-Rezeptor, Kernporen-Komplex, Kernhülle). Sie zeigen im IIFT an Organschnitten oder Kulturzellen (HEp-2-Zellen) ein membranöses (ringförmiges) Fluoreszenzmuster (siehe Zellkern-Autoantikörper).
Lamin-Autoantikörper sind im Gegensatz zu anderen gegen die Kernhülle gerichteten Autoantikörpern (z.B. Antikörpern gegen Lamin-B-Rezeptor, Nuclear pore complex glycoprotein gp210) weinig krankheitsspezifisch. Sie wurden zusammen mit Lupusantikoagulant und/oder Cardiolipin-Autoantikörpern bei dem sekundären Antiphospholipid-Syndrom gefunden. Insbesondere hochtitrige Lamin-Antikörper (gegen Lamin A, B und/oder C) sollen eine Subgruppe der rheumatoiden Arthritis (RA) und des systemischen Lupus erythematodes (SLE) mit sekundärem Antiphospholipidsyndrom kennzeichnen, bei der  weniger häufig thrombo-embolische Komplikationen vorkommen. Seltener angetroffen werden Lamin-Autoantikörper bei Autoimmunhepatitis und primär biliärer Zirrhose. Antikörper gegen Lamin A bzw. A/C fanden sich bei einem Patienten mit Hauteffloreszenzen bei anikterischer Cholestase, Alverin-induzierter akuter Hepatitis, Autoimmunhepatitis und primärer biliärer Zirrhose (PBC), gegen Lamin B1 bei SLE, chronischem Ermüdungssyndrom, gegen Lamin B2 bei autoimmuner Hepatitis, SLE und rheumatoider Arthritis (insbesondere gegen das α-helikale Zentrum), Polymyalgia rheumatica (gegen den C-Terminus). Antikörper gegen Lamin B fanden sich bei Thrombozytopenie und SLE, solche gegen Lamin C bei Riesenzellarteriitis und Polymyalgia rheumatica, chronischer Hepatitis Delta-Virus-Infektion und Eosinophilie-Myalgie-Syndrom nach L-Tryptophaneinnahme. Das gehäufte Auftreten der Antikörper bei dem chronischen Ermüdungssyndrom (52%) wurde als möglicherweise diagnostisch bedeutsam herausgestellt.
  
 H.-P. Seelig