Medizinisches Versorgungszentrum Labor Prof. Seelig GbR Karlsruhe

SERPINA1-Gen

107400
  
Serine (or cysteine) proteinase inhibitor, clade A (alpha-1 antiproteinase, antitrypsin), member 1 (PI)
  
Protease inhibitor 1, PI
  
EDTA-Blut, 2,7 mL (Blutbildröhrchen)
  
Einwilligungserklärung Genetik
  
NAA
  
Humangenetik - Zytogenetik
 S-Allel
 Z-Allel
 α1-Antitrypsin
  
Molekulare Humangenetik
  
Anforderungsschein Nr. 4a
Position der Analyse
Anforderungsschein 4a
        
        
        
  
  
SERPINA1-Gen
  
Abklärung Ikterus neonatorum prolongatus, gehäuftes Auftreten von bronchialen Infekten und chronisch obstruktiven Bronchitiden.
  
Das auf Chromosom 14q32.13 gelegene Gen umfasst einen Bereich von 13.1 kb mit 7 Exonen.
  
 Genprodukt ist das extrazelluläre Protease-Inhibitor Alpha-1-Antitrypsin (Mr 46.7 kDa). Seine inhibitorische Funktion ist hauptsächlich gegen Elastase gerichtet, was den Schutz der Lunge und Atemwege vor der proteolytischen Zerstörung durch Leukozyten-Elastase bewirkt.
  
 Das Gen enthält mindestens zwei Enhancerelemente, von denen eines am 5'-Ende vorwiegend die Basissekretion reguliert und eines am 3'-Ende auf eine Interleukin 6-Stimulierung anspricht.
  
 Bisher sind mehr als 90 Mutanten beschrieben.
  
 Nach dem Proteasen-Inhibitor (Pi)-Klassifikationssystem werden die elektrophoretisch schneller wandernden Varianten mit Buchstaben aus dem Anfangsteil des Alphabets, die langsam wandernden Varianten mit solchen aus dem zweiten Teil bezeichnet. PiZ ist somit die Variante mit der geringsten Wanderungsgeschwindigkeit, d.h. die am weitesten kathodenwärts gelegene Fraktion.
  
 Bekannte Mutationen des Gens sind Aminosäuresubstitutionen, Deletionen , die gegebenfalls die Transkription vollständig unterbinden können (Null-Varianten).
  
 Allgemeines normales Allel: PiM
  
 Klinisch relevante Defekte werden entsprechend ihrer Allel-Frequenzen in der Bevölkerung in häufige und seltene Defekte unterteilt. Häufige Defektvarianten sind Z (Glu342->Lys) und S (Glu264->Val). Heterozygote PiZ-Merkmalträger sind mit 5 % in Nordwesteuropa vertreten. Bei homozygoten PiZZ-Individuen findet sich zwar eine normale Synthese des mutierten Proteins, es werden jedoch nur 15% aus den Zellen sezerniert, 85% verbleiben im endoplasmatischen Retikulum, polymerisieren zu Aggregaten und führen bei unvollständiger Degradation (Ungleichgewicht von Synthese und Degradation) zu PAS-positiven Einschlusskörperchen und Schädigung der Zellen.
  
  
Die Pi-Varianten werden kodominant vererbt.
  
  
Ca. 10% der Neugeborenen  mit dem Genotyp PiZZ zeigen einen Ikterus neonatorum prolongatus mit Übergang in Leberzirrhose. Nach dem 40.Lebensjahr entwickeln Träger des Genotyps PiZZ oder PiSS degenerative Lungenveränderungen mit Ausprägung eines Emphysems. Häufige bronchiale Infekte und Nikotinexposition führen rasch zur Lungenobstruktion und Entwicklung eines Cor pulmonale.
  
  
 G. Schlüter, H.P. Seelig