Medizinisches Versorgungszentrum Labor Prof. Seelig GbR Karlsruhe

Th/To-Autoantikörper

RNaseMRP, RNaseP
  
Serum, 1 mL
 EDTA-Plasma oder Heparin-Plasma, 1 mL
  
negativ
  
WB, RIP, AUR
intern
  
Anforderungsschein Nr. 1a
Position der Analyse
Anforderungsschein 1a
        
        
        
  
Immunpathologie
EBM, GOÄ
  
Übersicht: Autoantikörper
 Rheuma - Kollagenosen
 Sklerodermie, systemische
 Laborinformation: Autoantikörper-Tabelle - Kollagenosen, Arthritis, Vaskulitis
  
V.a. Sklerodermie (limitierte Form, Akrosklerodermie).
  
Komponente der 7-2/MRP Ribonukleoproteine (RNP) in den granulären Regionen des Nukleolus. In geringer Menge (<1%) in den Mitochondrien. 7-2/MRP-RNP ist eine Endoribonuklease zur sequenzspezifischen Hydrolyse von RNA. Antikörper-positive Seren präzipitieren auch Rnase P (8-2 RNP), eine zytoplasmatische Endoribonuklease die an der prä-tRNA reife 5'-Termini generiert.
 Autoantikörper gegen die RNase MRP/RNase P reagieren mit verschiedenen Ribonuklease P-Proteinen (Rp) der Untereinheiten p14 (Rpp14; Mr 13.6 kDa; Chromosom 3p21.1), p20 (Rpp20; Mr 15.6 kDa; Chromosom 7q22), p21(Rpp21; Mr 17.6 kDa; Chromosom 6p21.32), p25 (Rpp25; Mr 20.6 kDa; Chromosom 15q23), p30 (Rpp30; Mr 29.3 kDa; Chromosom 10q23.31), p38 (Rpp38; Mr 31.8 kDa; Chromosom 10p13), p40 (Rpp40; Mr 34.6 kDa; Chromosom 6p25.1), hPop1(Mr 114.7 kDa; Chromosom 8q22.1), hPop4 (Mr 25.4 kDa; Chromosom 19q11), hPop5 (Mr 18.8 kDa; Chromosom12q24.31). Mit hPop werden humane (h) Gene bezeichnet, die den bei S. cerevisiae beschriebenen POP-Genen (= processing of precursor RNAs) homolog sind.
 Die etwas verwirrende Nomenklatur dieser Autoantikörper ist historisch bedingt. Bei einem Patienten mit systemischem Lupus erythematodes wurden Antikörper nachgewiesen, die 7-2 RNA präzipitierten. Die Antikörperspezifität wurde nach den Initialen des Patientennamens Th bezeichnet. Unabhängig davon konnten bei einem Patienten mit systemischer Sklerodermie Antikörper nachgewiesen werden, die 7-2 und 8-2 RNA präzipitierten (RNA-Moleküle, die in der Gegend der 7S RNA oder 8S RNA wandern, wurden mit 7-1,7-2,7-3 oder 8-2 RNA bezeichnet). Sie wurden ebenfalls nach den Initialen des Namens mit To bezeichnet. Die präzipitierte 7-2 RNA war mit der RNA eines Mitochondrien-RNA verarbeitenden Enzyms (MRP-RNA) identisch. Das Enzym ist die RNAse MRP (MRP = mitochondrial RNA processing), ein großer Protein-RNA-Komplex, der im Zytoplasma die Primer-RNA für die Erstellung von Kopien der mitochondrialen DNA verarbeitet. Der überwiegende Anteil des Enzyms liegt aber im Nukleolus und dient dort der Verarbeitung der Prä-rRNA. Es konnte weiter gezeigt werden, dass Seren mit anti-Th/To-Aktivität auch H1-RNA, eine 8-2 RNA präzipitieren, einen Bestandteil der humanen RNAse P, die Prä-tRNA-Moleküle zu reifer tRNA hydrolysiert indem sie die 5'-Vorläufersequenzen entfernt. Nachfolgende  Untersuchungen zeigten, dass es sich bei Th und To um Antikörper der gleichen Spezifität handelte, die mit einem Peptid von 40 kDa reagierten (anti-Th40).
 Die beiden Ribonukleoproteinpartikel RNAse P und RNAse MRP sind sich in mehrfacher Hinsicht ähnlich. Beide RNP-Komplexe sind sequenzspezifische Endonukleasen, die RNA-Moleküle mit einer ähnlichen käfigartigen Struktur und wahrscheinlich zehn identische assoziierte Peptide (hPop1, hPop5, Rpp14, Rpp20, Rpp21, Rpp25, Rpp29/hPop4, Rpp30, Rpp38 und Rpp40) enthalten. Letzteres erklärt die Präzipitation verschiedener RNA-Moleküle durch die gleichen Antikörper. Beide RNP-Komplexe finden sich vorwiegend im Nukleolus gelegen. Das Th40-Autoantigen ist mit dem Rpp38-Polypeptid identisch.
 Inzwischen konnte gezeigt werden, dass auch gegen die meisten anderen der 10 Polypeptide in unterschiedlichem Maße Autoantikörper gebildet werden. Auch wenn nahezu alle anti-Th/To-positiven Seren das Rpp38 (Th40)-Antigen präzipitieren, enthalten dennoch nicht alle der Seren Antikörper der Spezifität anti-Rpp38. Die Kopräzipitation von Rpp38 erfolgt dann durch Antikörper, die mit den anderen Peptiden der RNAse P/RNAse MRP-Komplexe reagieren und so den relativ stabilen Komplex insgesamt präzipitieren. Nahezu alle anti-Th-/To-positiven Seren reagieren mit hPop1 und Rpp38, etwa die Hälfte erkennt Rpp30, hPop5 und Rpp14. Eine geringere Anzahl reagiert mit Rpp40, hPop4 und Rpp21.
Die Antikörper wurden vor allem bei Patienten mit Sklerodermie (4-13%) beschrieben. In einer Studie ließen sie sich bei 8.4% der Patienten mit Akrosklerodermie (limitierte Sklerodermie), bei 0.7% mit systemischer Sklerodermie aber nicht bei Sklerodermie-Überlappungssyndromen nachweisen. Auch bei primärem Raynaudphänomen können sie auftreten.
  
 H.-P. Seelig