Medizinisches Versorgungszentrum Labor Prof. Seelig GbR Karlsruhe

gp 130-RAPS-Autoantikörper

Serum, 1 mL
EDTA-Plasma oder Heparin-Plasma, 1 mL
  
negativ (1: < 100)
  
WB  
intern
  
Übersicht Autoantikörper
  
Immunpathologie
EBM, GOÄ
 Rheumatoide Arthritis. Die klinische Relevanz der Autoantikörper muss noch bestätigt werden.
 Das gp130 Interleukin-6 Signalübertragungsmolekül ist ein heterodimeres Protein aus einer α-Kette (Mr 51.5 kDa; Chromosom 1q22) und einer β-Kette (Mr 37.5 kDa; Chromosom 5q11.2), dass in verschiedenen alternativ gespleißten und löslichen Isoformen auftreten kann. Es bildet einen IL-6/IL-5R (α-Kette) -Komplex und führt so zu hochaffinen IL-6-Bindungsstellen, die das Signal weiterleiten. Es bindet nicht an IL-6. Es handelt sich um ein Typ I Membranprotein mit zwei Isoformen, die durch alternatives Spleißen entstehen. Isoform 2 ist das hier behandelte Autoantigen bei der rheumatoiden Arthritis.
 Eine lösliche Form von gp130 trägt am C-Terminus eine eigenständige Aminosäurensequenz (Asn-Ile-Ala-Ser-Phe; NIASF), die neue antigene Eigenschaften besitzt. Da Patienten mit rheumatoider Arthritis Antikörper gegen dieses C-terminale Pentapeptid bilden können, wurde diese lösliche Form mit gp130-RAPS (gp130 of the rheumatoid arthritis antigenic peptide-bearing soluble form) und das C-terminale Peptid mit RAPC-15 (gp130-RAPS COOH-terminal 15-mer peptide) bezeichnet. gp130-RAPS besitzt die Nukleotidsequenz von gp130 (nt 91-1869) mit Ausnahme eines 83 bp-Fragmentes (nt 974-1056). Hierdurch wird ein neues Stopkodon im ersten Drittel der N-terminalen Region des Moleküls generiert, das zu einer Änderung des Leserasters und zur Expression der Sequenz NIASF unter Verlust der Transmembran- und der intrazytoplasmatischen Domänen von gp130 führt.
 gp130 wird in allen Geweben exprimiert. Es ist der gemeinsame Signalübermittler von Il-6, dem leukemiia inhibitory factor (LIF), Oncostatin M (OSM), ciliary neurotrophic factor (CNTF) und Cardiotropin-1 (CT-1). Der löslichen Form fehlen zwar die Transmembran- und intrazytoplasmatischen Domänen, sie kann aber die Funktionen von IL-6, OSM, LIF und CNTF hemmen. Bei den im Verlauf einer rheumatoiden Arthrits in der Synovialis ablaufenden Entzündungsprozessen scheinen IL-6,  sein Rezeptor (Il-6R) und gp130 an der Aktivierung von Lymphozyten, Synovialiszellen und Osteoklasten wesentlich beteiligt zu sein (Synthese pathogener Antikörper, Proliferation der Synovialis, Gewebedestruktion).  IL-6 wird bei Patienten mit rheumatoider Arthritis in größeren Mengen in der Synovialis gebildet, seine Serumkonzentration korreliert (gemessen an der CRP-Synthese) mit der Krankheitsaktivität (therapeutische Beeinflussung der Entzündung durch anti-IL-6). Die gegen das C-terminale Peptid gerichteten Antikörper können den hemmenden Einfluß von  gp130-RAPS auf IL-6 neutralisieren. Es wird daher vermutet, dass den Antikörpern eine pathogene Rolle bei den Entzündungsprozessen der rheumatoiden Arthritis zukommt.
 Antikörper gegen das C-terminale Neoantigen von löslichem 130gp-RAPS in signifikanten Titern fanden sich nur bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (73%), nicht bei anderen Kollagenosen wie systemischem Lupus erythematodes, Sjögren Syndrom, systemischer Sklerodermie,  Polymyositis, Dermatomyositis, Polyarteriitis nodosa. Die Antikörper waren positiv korreliert mit hoher BSG, erhöhten CRP- und IL-6-Spiegeln.
 H.-P. Seelig