Actinobacillus actinomycetemcomitansdruck

Erreger: Actinobacillus actinomycetemcomitans ist ein gramnegatives, unbewegliches, 0.3-0.5 x 0.5-3 μm großes, fakultativ anaerobes Stäbchen. Der Erreger wird der Gattung Actinobacillus zugeordnet.

Epidemiologie: Wie aus der Bezeichnung des Erregers abzuleiten ist, wird A. actinomycetemcomitans als Begleitinfektion bei 30% der durch Actinomyces israelii ausgelösten Actinomykosen des Menschen gefunden. A. actinomyectemcomitans allein kann keine Actinomykose auslösen, ist jedoch in der Lage, den Krankheitsprozess auch dann weiter zu unterhalten, wenn der ursächliche Erreger, A. israelii, mit Hilfe einer Penicillin-Therapie eliminiert wurde. A. actinomycetemcomitans ist Penicillin-resistent.

A. actinomycetemcomitans ist bei 20% der Jugendlichen und Erwachsenen ein Bestandteil der normalen Mundflora, bei Patienten mit Periodontitis wird er in 50-90% der Fälle nachgewiesen.

Weiterhin ist er einer der Erreger der HACEK-Gruppe (HACEK: Haemophilus aphrophilus, Actinobacillus actinomycetemcomitans, Cardiobacterium hominis, Eikenella corrodens, Kingella kingeae). Die Gruppierung gründet auf der Tatsache, dass diese Erreger eine Endokarditis hervorrufen und aufgrund ihrer anspruchsvollen Kulturbedingungen leicht der Diagnostik entgehen können. Prädisponierende Faktoren der Endokarditis sind Peridontitis (46%), kurzzeitig zurückliegende Zahnbehandlungen und Herzklappenfehler (60%).

Klinische Manifestationen: Actinomykosen (siehe Infobox Actinomyces), Periodontitis und Endokarditis.

Erregernachweis: Der Erregernachweis mittels NAT aus Abstrichmaterial bei V.a. Actinomykose, aus Abradat bei Periodontitis und aus Punktat oder EDTA-Blut bei Endokarditis. Die NAT ist schneller und sensitiver als kulturelle Verfahren.

Bakteriologische Diagnostik: Der kulturelle Erregernachweis erfolgt aus Abstrichmaterial bei Actinomykosen, aus Abradaten bei Peridontitis und aus Blutkulturen bei Endokarditiden.

Indikationen: Siehe klinische Manifestationen.

E. Müller, H.P. Seelig