Erreger: Die 45 nm großen ikosaedrischen humanpathogenen Polyoma-Viren, Genus BK- und JC-Virus aus der Familie Papova-Viridae, verursachen fast ausschließlich nur bei immunsupprimierten Patienten Krankheitssymptome. Der BK-Virus ist der Erreger der hämorrhagischen Zystitis. Das Virus besitzt ein zirkuläres, doppelsträngiges DNA-Genom von 5153 Basenpaaren. Er ist zu 75% mit dem JC-Virus homolog. Der Viruspartikel besitzt hämagglutinierende Eigenschaften. Seine Bezeichnung erfolgte nach den Namensinitialen des Patienten aus dem er isoliert wurde.
Epidemiologie: Die Durchseuchung ist sehr hoch. Bei über 80% der 9-jährigen lassen sich bereits Antikörper gegen den BK-Virus nachweisen. Die Übertragung erfolgt wahrscheinlich aerogen und durch Schmierinfektionen.
Pathogenese: Es wird vermutet, dass die Viren in der Niere latent persistieren. Eine immunsuppressive Therapie oder eine erworbene Immunabwehrschwäche, insbesondere der zellulären Immunabwehr, führen zu einer Reaktivierung und hämatogenen Aussaat. Die Ausscheidung von BK-Viren im Urin beginnt meist in den ersten drei Monaten nach immunsuppressiver Therapie. Die Virusausscheidung kann auch noch nach jahrelangen Intervallen bei Immunsuppression auftreten. Die Ausscheidung der Viren ist eine Folge der Reaktivierung einer latenten Infektion, da sie bisher nur bei Patienten beobachtet wurde, die schon vor der Immunsuppression seropositiv waren. Die Ausscheidung geht der klinischen Symptomatik voraus, was vermuten lässt, dass sie nicht das Resultat einer Zystitis ist. Eine Ausscheidung der Viren im Urin wird auch bei über 60% der Patienten mit systemischem Lupus erythematodes (SLE) beobachtet. Im Gegensatz zu transplantierten Patienten zeigen SLE-Patienten jedoch in der Regel keine Virämie. Die asymptomatische Ausscheidung der Viren bei gesunden Personen wird mit 0-16% angegeben.
Klinische Manifestationen: Die Polyoma-Viren verursachen meist klinisch inapparente Infektionen im Kindesalter mit konsekutiver Latenzphase unbestimmter Dauer. Die Reaktivierung der Viren kann durch immunsuppressive Therapie oder gelegentlich auch durch eine Schwangerschaft ausgelöst werden. Der BK-Virus kann nach Knochenmarkstransplantation zu einer hämorrhagischen Zystitis und nach Nierentransplantation zur Ureterstenose und interstitieller Nephritis führen. Bei immunkompetenten Patienten finden sich gelegentlich auch eine milde hämorrhagische Zystitis oder Entzündungen des Respirationstraktes.
Erregernachweis: Der Erregernachweis wird in Urin, EDTA-Blut, asserviertem Untersuchungsmaterial (paraffineingebettetes Gewebe) mittels NAT durchgeführt.
Indikationen: Hämorrhagische Zystitis bei immunsupprimierten Patienten (nach Knochenmarktransplantation), interstitieller Nephritis, Ureterstenose (nach Nierentransplantation).
E. Müller, H.P. Seelig
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