Erreger: Der dimorphe Pilz, der bei Raum- und individueller Umgebungstemperatur in der Myzel-Phase mit endständigen Konidien (2-10 μm) wächst, bei 37 °C aber als Sprosspilz (Hefephase, 8-15 μm), ist die imperfekte (asexuelle) Form von Ajellomyces dermatitidis (nicht beim Menschen nachweisbare, sexuelle bzw. komplette Form von Blastomyces dermatitidis). Er ist der Erreger der Blastomykose, einer chronischen Systemmykose, die vorwiegend die Lungen und in ihrer disseminierten Form alle Organe befällt. Dimorphe Pilze werden deshalb auch als systemische oder primär pathogene Pilze bezeichnet.
Epidemiologie: Vorkommen vor allem auf dem nord- und mittelamerikanischen Kontinent (Einzelfälle in Afrika und Südamerika), gehäuft bei Personen mit landwirtschaftlichen Berufen.
Pathogenese: Die Infektion erfolgt durch Inhalation von sporenhaltigem Staub. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet fast nie statt. Auch kutane Blastomykosen nehmen ihren Ausgang zumeist aus disseminierten subklinischen Infektionsherden in den Lugen.
Klinische Manifestationen
Akute pulmonale Blastomykose: Häufigste Manifestationsform, 30-45 Tage nach Inhalation der Konidien entwickelt sich eine influenzaähnliche Symptomatik mit plötzlich auftretenden Myalgien, Arthralgien, Schüttelfrost und Fieber, Pleurodynie, Husten mit später auftretendem purulentem Auswurf. DD Influenza, bakterielle oder mykotische Bronchitis, Bronchopneumonie, Tuberkulose, Bronchialkarzinom.
Chronische pulmonale Blastomykose: Chronische Pneumonie, produktiver Husten, Hämoptysis, Gewichtsverlust, Pleurodynie, mäßiges Fieber, DD Tuberkulose.
Kutane Blastomykose: Subkutane, verruköse, ulzerierende und papulopustulöse Hautläsionen mit zentraler Atrophie und Depigmentation. Die kutanen Erkrankungen sind meist Folgen einer chronischen Lungenaffektion. Seltener sind primär kutane Formen mit scharf begrenzten verrukösen und ulzerierenden Hautveränderungen. DD Plattenepithelkarzinom, Pyoderma gangränosum, Leishmaniose, Mykobakterien-Infektion (z. B. Mykobakterium marinum), Riesenzell Kerato-Acantoma, Arzneimittelekzem, Majocchi Syndrom (Purpura und Teleangiektasien mit Hämosiderin-Ablagerungen und zentralen Hautatrophien im Zusammenhang mit Hypertonie bei Atereosklerose).
Knochen- und Gelenkblastomykose: Osteolytische Herde meist ohne starke Schmerzen, bevorzugt in langen Röhrenknochen, Wirbeln und Rippen, DD Tuberkulose.
Urogenitalblastomykose: Prostatitis, Epididymitis, Urethra-Obstruktion, Pyurie.
Zentrale nervöse Blastomykose: Seltene Manifestation (<5%, bei HIV-Patienten 40%), cerebrale Abszesse, Meningitis häufig mit fulminantem Verlauf.
Sehr selten sind die foudroyant verlaufenden, subkutanen und die disseminierten Formen, die jedes Organ betreffen können und mit einer hoher Letalität einhergehen.
Erregernachweis: Der Erregernachweis mittels NAT ist möglich aus Trachealsekret, Sputum, Hautabstrich, Liquor oder EDTA-Blut.
Indikationen: Siehe klinische Manifestationen.
E. Müller, H.P. Seelig
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