Erreger: Giardia lamblia ist ein dem Stamm der Protozoen und der Klasse der begeisselten Flagellaten angehörender Parasit. Der tropfenförmige, abgeflachte, 10-20 μm lange Trophozoit besitzt vier Geißelpaare zur Fortbewegung und eine Saugscheibe zur Anheftung an die Oberfläche des Dünndarmepithels. Die Trophozoiten werden im Stuhl ausgeschieden. Die 10-14 μm langen Dauerformen (Zysten) besitzen einen ovalen Körper, kurze Geißeln und vier Kerne.
Entwicklungszyklus: Nach der oralen Aufnahme von Zysten wandeln sich diese im Darm in Trophozoiten um. Etwa eine Woche nach der Infektion sind Trophozoiten und nach 3-4 Wochen die ersten sich daraus bildenden Zysten im Stuhl nachweisbar. Die mit dem Stuhl ausgeschiedenen Zysten sind in feuchter Umgebung mehrere Monate lebensfähig.
Epidemiologie: Giardia lamblia ist weltweit verbreitet, kommt jedoch besonders häufig in südlichen Ländern vor. Die Parasiten werden durch verunreinigte Nahrung und kontaminiertes Wasser sowie bei engem Kontakt (Kind-Kind) übertragen. Die Erreger sind fakultativ pathogen.
Klinische Manifestationen: Die Infektion mit dem Dünndarmparasiten verläuft meist asymptomatisch. Bei ausgeprägtem Befall kann es zu heftigen gelblichen, schaumigen, übelriechenden Diarrhöen kommen. Häufig finden sich Schleim und unverdaute Nahrung in den voluminösen, breiigen Stühlen. Bisweilen bestehen Steatorrhoe, Malabsorption (Gewichtsverlust), Meteorismus und abdominelle Krämpfe. Die spontane Heilung erfolgt nach 2B3 Wochen, chronische Verläufe vereinzelt auch mit Schädigung des Dünndarmepithels und daraus resultierender Laktoseintoleranz sind möglich. Nach 1-2 wöchigem Krankheitsverlauf kann sich für mehrere Monate eine leichte Diarrhö mit Flatulenz einstellen.
Erregernachweis: Molekulargenetischer Erregernachweis im Stuhl und Duodenalsaft mittels NAT.
Mikrobiologische Diagnostik: Antigennachweis mittels ELISA.
Indikationen: Siehe klinische Manifestationen.
E. Müller, H.P. Seelig
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