Hepatitis G-Virusdruck

Der Hepatitis G-Virus (HGV, Synonyma: GB Virus-C, GBV-C) wurde bei der Suche nach dem Non A Non B-Virus entdeckt. Nach Infektion von Tamarins mit dem Serum eines Non A Non B erkrankten Chirurgen wurde nach mehrfacher Passage ein Virus isoliert, der im menschlichen Blut nachgewiesen werden konnte und seinem Aufbau gemäß den Flaviviren zuzuordnen war.

Das typisch positiv orientierte, einzelsträngige RNA-Genom von 9600 nt mit nur einem offenen Leserahmen, ist am 3' und 5'-Ende von UTRs (untranslated regions) flankiert. Die Strukturproteine liegen am 5'-Ende, die Nichtstrukturproteine am 3'-Ende des Genoms. Das Virus zeigt nur eine 29%ige Homologie zu dem Hepatitis C-Virus. Die Homologie auch zu anderen Flaviviren findet sich hauptsächlich im Serinprotease- und RNA-Helicase-Bereich. Die verschiedenen HGV-Isolate (weltweit) zeigen untereinander eine größere Nukleotididentität als die verschiedenen HCV-Isolate (HGV >85%, HCV 65%). Eine hypervariable Region im E2-Bereich wurde bisher nicht identifiziert. Das Virus ist nicht zytopathogen und repliziert, zumindest in vitro, in peripheren mononukleären Zellen.

Epidemiologie: Das Hepatitis G-Virus ist weltweit verbreitet und findet sich in verschiedenen Regionen mit unterschiedlicher Häufigkeit (zu 1.2-13% bei der gesunden Bevölkerung, in Europa und den USA zu ca. 1-2% der gesunden Bevölkerung). Die Durchseuchung (der Nachweis von Antikörpern gegen das Oberflächenantigen E2) ist je nach Region unterschiedlich und schwankt zwischen 30% (Gebiete in Japan) und 3-6% der jeweiligen Bevölkerung in den USA und Europa.

Das Virus wird parenteral, sexuell und perinatal übertragen, weitere Übertragungswege sind jedoch nicht auszuschließen. Eine Geschlechtsbevorzugung bei Infektion liegt nicht vor.

Pathogenese: Eine Infektion mit HGV konnte bisher nicht in ursächlichen Zusammenhang mit einer Erkrankung gebracht werden. Das Virus hat keinen Einfluß auf den Verlauf der Virushepatitiden B und C und repliziert auch nicht in der Leber. Der Replikationsort liegt möglicherweise in CD4 positiven Zellen und in Zellen der Mucosa. Nach Infektion persistieren die Viren jahrelang ohne klinische Symptomatik. Nach Infektion steigt der Virustiter langsam an und erreicht Konzentrationen um 106 Viren/mL Plasma. Eine Viruselimination tritt nicht vor einem Jahr auf, meist werden jahrelang persisitierende Virämien beobachtet. Antikörper gegen E2 werden erst nach Beendigung der virämischen Phase nachweisbar. Persistierende Virusträger bleiben Antikörper negativ.

Während eine pathogene Wirkung des GBV bisher nicht erkannt werden konnte, scheint im Gegenteil dieses Virus eine protektive Funktion auszuüben. Circa 35% der HIV-Patienten sind auch GB-Virusträger. Bei einer GB/HIV-Koinfektion wurde eine signifikant längere Überlebenszeit beobachtet. Die protektive Wirkung ist unabhängig von Therapie und von den bekannten Progressionsmarker der HIV-Infektion wie Alter, CD4-Zellzahl und Viruskonzentration. In vitro supprimiert GBV die HIV-Replikation und Freisetzung. Der Mechanismus über den dies erfolgt ist jedoch noch nicht aufgeklärt.