Humanes Herpes-Virus 8 (HHV 8)druck

Herpes-Viren sind große, behüllte, 150-200 nm große DNA-Viren, die Menschen und viele Wirbeltiere (bis hin zu den Fischen) befallen können. Die Vermehrung der doppelsträngigen DNA und die Morphogenese der Viren erfolgt im Kern der infizierten Zelle. Die Wirtszellen sterben bei der lytischen produktiven Vermehrung der Herpes-Viren ab. Die Genome der Herpes-Viren bestehen aus linearer doppelsträngiger DNA von 120-200 kb. Bei allen Virustypen finden sich einmalig vorkommende (unique) und wiederholte (repeat) Sequenzabschnitte, die bei den verschiedenen Genera in unterschiedlichem Muster angeordnet sind. Bei der Infektion einer Zelle wird die lineare DNA in ein zirkuläres Molekül überführt, das dann als Episom im Nukleoplasma liegt. Die beiden DNA-Stränge kodieren für bis zu 200 Genprodukte, die teilweise unter Verwendung unterschiedlicher Leserraster mit überlappenden Leserrahmen exprimiert werden. Zumeist wird die Expression des Gens durch einen virusspezifischen vorgelagerten Promotor kontrolliert, der Erkennungsstellen für die eukaryonte RNA-Polymerase II besitzt. Die Promotorbereiche enthalten ferner Bindungsstellen für zelluläre und virale Transaktivatoren, die den Zeitpunkt der Genexpression im Rahmen des Infektionszyklus bestimmen. Die Herpes-Viren kodieren für Enzyme, die in den Nukleinsäurestoffwechsel und die Genreplikation eingreifen. Herpes-Viren zeichnen sich ferner durch ihre Fähigkeit zu einer latenten lebenslangen Infektion und zur rekurrierenden Aktivierung aus. In der Latenzphase ist die Produktion von infektiösen Viren unterbunden, die infizierten Zellen überleben. Bei der Reaktivierung zum lytischen Infektionszyklus kommt es zu einer der Primärinfektion ähnlichen oder gleichen Krankheitsmanifestation. Nach der Genomorganisation und Homologie werden die humanpathogenen Herpes-Viren drei Subfamilien zugeordnet: den α-, β und γ-Herpesvirinae.

α-Herpesvirinae: Simplex-Virus; Humanes Herpes-Virus 1 (HHV 1), (Herpes simplex-Virus 1), Humanes Herpes-Virus 2 (HHV 2), (Herpes simplex-Virus 2), Varizella-Virus, Humanes Herpes-Virus 3 (HHV 3), (Varizella Zoster-Virus)

β-Herpesvirinae: Cytomegalo-Virus, Humanes Herpes-Virus 5 (HHV 5), (Humanes Cytomegalo-Virus), Roseolo-Virus, Humanes Herpes-Virus 6 (HHV 6), Humanes Herpes-Virus 7 (HHV 7)

γ-Herpesvirinae: Lymphocrypto-Virus, Humanes Herpes-Virus 4 (HHV 4), (Epstein-Barr-Virus), Rhadino-Virus, Humanes Herpes-Virus 8 (HHV 8), (Kaposi-Sarkoma-Virus)

Infektionen mit Herpes-Viren können zu einem breiten Spektrum von klinischen Symptomen führen, die von harmlosen mukokutanen Manifestationen bis zu lebensbedrohenden, visceralen, zerebralen und generalisierten Infektionen reichen. Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus können zudem maligne lymphoproliferative Erkrankungen und Karzinome auslösen. Das humane Herpes-Virus 8 ist mit dem Kaposi-Sarkom assoziiert.

Die Übertragung von Herpes-Viren erfolgt in der Regel durch engen körperlichen Kontakt über die Mund- oder die Genitalschleimhäute, ausgenommen Varizella Zoster-Infektionen, die auch über Aerosole übertragen werden. Eine parenterale Übertagung kann durch Blut- oder Organtransplantate erfolgen. Die Infektion kann sowohl von primär infizierten Personen als auch von Personen mit latenten Infektionen ausgehen, wobei der Übertragende häufig symptomlos ist.

Primärinfektionen erfolgen meist in der frühen Kindheit oder im jugendlichen Erwachsenenalter. Die Durchseuchung mit Herpes-Viren ist hoch und liegt bei gesunden Erwachsenen je nach Virusspezies zwischen 50 und 100%, mit Ausnahme von HHV 8 (<3%) und HHV 2 (<20%).

Erreger: HHV 8 gehört in die Gruppe der γ-Herpesvirinae (siehe Infobox Herpes-Viren). Der Aufbau des Genoms entspricht dem von HHV 6.

Pathogenese: Die persistierende Infektion wird vermutlich in B-Zellen etabliert. Bei den HHV 8-assoziierten Tumoren sind unterschiedliche Zellen mit den Viren infiziert (Spindelzellen im Kaposi-Sarkom, B-Lymphozyten beim Körperhöhlenlymphom, B- und zum Teil auch T-Lymphozyten bei der Castleman-Erkrankung (angiofollikuläre Lymphknotenhyperplasie).

Epidemiologie: Zeitpunkt und Ablauf der Primärinfektion sind derzeit noch weitgehend unbekannt. Neben der sexuellen Übertragung kommen vermutlich auch noch andere, bisher nicht identifizierte Übertragungswege (wahrscheinlich durch Speichel) vor. Antikörper gegen HHV 8 lassen sich bei 90-100% der Karposi-Sarkom-Träger nachweisen, sie finden sich bei <3% (England) bzw. <5% (USA) der gesunden Bevölkerung. Wesentlich höher ist die Durchseuchung in Afrika. HHV 8-DNA kann dort schon bei Kindern im Blut nachgewiesen werden. Die Durchseuchung liegt bei >50%. HHV 8 kann bei nahezu 100% der Karposi-Sarkome, sowie auch bei der multifokalen Castleman-Erkrankung und dem Körperhöhlen-Lymphom isoliert werden, Erkrankungen, die bevorzugt bei Immunsupprimierten, insbesondere bei HIV-Infizierten auftreten.

Klinische Manifestationen: Das Kaposi-Sarkom befällt die Haut, Schleimhäute, inneren Organe und Lymphgewebe. Der Tumor besteht aus spindelförmigen Zellen, die sich von Endothelzellen, Fibroblasten oder monozytoiden Zellen ableiten. Das Körperhöhlenlymphom ist ein aggressives B-Zell Lymphom, das sich vor allem in Pleura, Perikard und Peritoneum ausbreitet. Die multifokale Castleman-Erkrankung tritt ebenfalls nur bei HIV-Patienten auf. Sie äußert sich mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Gewichtsverlust, Exanthem und hämolytischer Anämie sowie ausgeprägter Hepatosplenomegalie.

Erregernachweis: Molekulargenetischer Nachweis von HHV 8-DNA mittels NAA.

Indikationen: Karposi-Sarkom, Castleman-Krankheit, Körperhöhlenlymphom.

E. Müller, H.P. Seelig