Urin als Untersuchungsmaterialdruck

 

 

 

Anmerkungen zum 24-Stunden-Sammelurin

 


 

Salzgehalt, Ionenstärke, pH-Wert und der Konzentrierungsgrad des Urins variieren beim Gesunden beträchtlich. In Abhängigkeit von Klima, körperlicher Belastung, Ernährung und Flüssigkeitszufuhr schwankt das in 24 Stunden ausgeschiedene Harnvolumen um den Faktor 5 bis 10, bei polyurischen Nierenfunktionsstörungen um den Faktor 30. Quantitative Bestimmungen von Analyten sollten daher zumindest auf das in 24 Std. ausgeschiedene Harnvolumen oder besser auf die Kreatinin-Clearance bezogen werden.
Sammelurin ist immer dann zu bevorzugen, wenn das  Urinsammeln vom Patienten zuverlässig durchgeführt wird. Die Patienten sollten daher über die Vorgehensweise beim Sammeln des Urins genau informiert werden, damit das in 24 Stunden ausgeschiedene Urinvolumen genau erfasst wird. Für die immunnephelometrische Bestimmung der Proteine darf der Urin keine stabilisierenden oder sonstigen Zusätze enthalten.

 

 

 

Referenzbereiche für Urinproteine

 

 

 

Analyt

Maximal zulässige Proteinausscheidung

 

mg/l

mg/g Kreatinin

mg/24 Std.

 


 

α1-Mikroglobulin

12

14

20

 

Albumin

30

20

30

 

IgG

10

10

15

 

Gesamtprotein

80

70

80

 


 

Zweiter Morgenurin

 


 

Wenn 24 Std.-Sammelurin nicht zur Verfügung steht, kann für quantitative Bestimmungen auch der sog. zweite Morgenurin verwendet werden. Er wird vom nüchternen Patienten als die zweite Tagesportion im Laufe des Vormittags in der Praxis gewonnen. Sammeldauer (vom Aufstehen bis zur Probenabnahme) und Diureseform (milde koffeininduzierte Wasserdiurese) sind bei den mitteleuropäischen Bevölkerungsgruppen relativ standardisiert. Größter Störfaktor ist Frühsport, der einerseits zu einer relativen Exsikkation führt, andererseits eine belastungsinduzierte benigne Proteinurie hervorruft. Der zweite Morgenurin ist dem Sammelurin ebenbürtig, wenn körperliche Belastung vor der Probengewinnung ausgeschlossen werden kann und wenn keine polyurischen Funktionsstörungen vorliegen.

 

Falls ein derartig standardisierter zweiter Morgenurin nicht gewonnen werden kann, läßt sich eine gewisse Standardisierung der Messergebnisse im Spontanurin erreichen, wenn die Proteinmengen auf die Urinkreatininkonzentration bezogen wird. Da die Kreatininausscheidung bei Gesunden und Kranken relativ konstant ist, spiegelt die Kreatininkonzentration im Urin den Konzentrierungsgrad wieder. Sie kann genutzt werden, um verfälschende Effekte von Diurese und Antidiurese rechnerisch zu eliminieren.

 


 

Siehe auch

Präanalytik